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DI Dr. CHRISTIAN KITTL ist Geschäftsführer der EVOLARIS next level GmbH. Das Grazer Unternehmen entwickelt digitale Assistenzsysteme und berät Firmen aus Industrie und Einzelhandel.

IM INTERVIEW: CHRISTIAN KITTL, EVOLARIS

Stichwort Industrie 4.0: Ist man da in Österreich allgemein gut aufgestellt?

Generell sehe ich uns als Fast Follower, die Deutschen sind in diesem Bereich sicher die Schrittmacher. Aber in Österreich wurde das Thema rasch aufgenommen, und mittlerweile sind wir im internationalen Vergleich – insbesondere im direkten Vergleich mit den unmittelbaren Nachbarländern – durchaus gut positioniert. Auch dank der Aktivitäten wie jener der Plattform Industrie 4.0, dank relativ früh initiierter Förderprogramme sowie der Tatsache, dass die Unternehmen selbst das Thema schon früh aufgegriffen haben. Defizite gibt es jedoch im Bereich der Infrastruktur. Mit dem Aufbau des ersten UMTS-Netzes waren wir in Österreich einmal sehr weit vorne, heute gehören wir, was Breitbandverbindungen angeht, zu den Schlusslichtern in Europa. Man hat es verabsäumt, die Basics im Bereich der technischen Infrastruktur bereitzustellen.

Digitalisierung, Industrie 4.0 und Co: Sind wir mittendrin oder gerade erst am Anfang?

Im Hinblick auf die Gesamtentwicklung stehen wir noch ganz am Anfang. In manchen Wirtschaftsbereichen ist man da schon etwas weiter, andere beginnen gerade erst damit, darüber nachzudenken, wie eine durchgängige Vernetzung unserer Gesellschaft auch die Industrie verändern wird. Im Übrigen ist jeder Begriff, der 2.0, 3.0 oder eben 4.0 im Namen trägt, immanent einer Überholung anheim gesetzt. Ich würde daher eher von der digitalen Transformation sprechen. Wichtiger als die Kritik am Begriff an sich ist aus meiner Sicht aber der damit verbundene Vorstellungsinhalt, also die Digitalisierung.

Passiert doch auch längst, lautet hierzu oft die Kritik.

Natürlich hat man auch schon in der Vergangenheit automatisiert und digitalisiert. Aber was uns erwartet, die vollständige Vernetzung unserer Welt – bis 2020 werden den Prognosen nach rund 50 Milliarden Dinge ans Internet angeschlossen sein – übertrifft alles, was bisher da war. Zu Beginn des Automobilzeitalters hätte auch niemand erwartet, dass das Finden eines Parkplatzes jemals zu einem Problem werden könnte. Wir entwickeln bei evolaris digitale Assistenzsysteme, die Tätigkeiten übernehmen sollen, die erst durch diese Vernetzung möglich werden. Etwa bei der Individualisierung von Produkten. 500 oder 600 verschiedene Varianten zu bauen, ist heute noch vielfach undenkbar, weil schlicht ineffizient.

Bedeutet digitalisiert automatisch effizienter?

Nein. Die Digitalisierung ist ein Mittel, um manches anders oder völlig neu gestalten zu können. Wie jede andere Technologie auch ist sie per se weder positiv noch negativ. Entscheidend ist, wie man sie einsetzt. Man kann effizient und effektiv agieren und trotzdem kommen die Menschen unter die Räder. Daher gilt es, bei aller Effizienz und Effektivität die Humanität nie außer Acht zu lassen. Der technische Fortschritt hat in den letzten 200 Jahren Produktivitätsgewinne und Wachstum getragen, auf der anderen Seite geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Daraus ergeben sich Systemfragen: Wer soll Nutznießer des technischen Fortschritts sein? Ist der Kapitalismus das beste System, das es gibt? Das sind politische Fragen, die von den technologischen zu entkoppeln sind. Direkt mit der Technologie zu tun haben aber die Herausforderungen, die sich aus der Digitalisierung ergeben.

Und wie können sich Unternehmen für die Herausforderungen der Digitalisierung wappnen?

Indem sie eine relative hohe Flughöhe einnehmen und sich fragen, wie sich das Geschäftsmodell durch die Digitalisierung verändert, und welche Möglichkeiten und Bedrohungen sich daraus ergeben. Nicht sofort in die Prozessoptimierung gehen, weil damit möglicherweise effizienter gestaltet wird, was in Zukunft keine Relevanz mehr besitzt. Die Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle und wird bestehende obsolet werden lassen.

Wie kann die Wirtschaft dieser Entwicklung begegnen?

Michael Porter hat schon früh auf diese Veränderung der Geschäftsmodelle durch das Internet hingewiesen. Am Beispiel eines Traktors hat er gezeigt, wie ein ursprünglich eigenständiges, aber dummes Produkt durch Sensorik smart und dann zum vernetzten Produkt wird, das schließlich in  Farmmanagementsysteme eingebunden wird, die ihrerseits mit Wetterinformationssystemen kommunizieren. Wer solche Plattformen kontrolliert, wird der große Gewinner der Digitalisierung sein. Viele Unternehmen – auch in Österreich – schauen nach wie vor zu sehr auf das eigene Geschäft und übersehen dabei die Möglichkeiten, die sich aus der Vernetzung mit anderen ergeben. In einer vernetzten Welt wird das einzelne Unternehmen auf sich allein gestellt kaum erfolgreich sein können.

Zum Abschluss, wird die Digitalisierung einmal sämtliche Lebensbereiche erfassen?

Ja, einfach weil alle Dinge des täglichen Lebens mit einer immer kleiner werdenden, immer kostengünstiger werdenden Sensorik ausgestattet und durch eine ubiquitäre Vernetzung verbunden sein werden. Man muss zwei Begrifflichkeiten voneinander trennen: das vernetze Leben und das Internet der Dinge. Zweiteres ist meiner Ansicht nach ein irreführender Begriff, weil er suggeriert, es ginge nur um die Dinge. In Wirklichkeit ist die entscheidende Frage, wie sich unser Leben mithilfe der Vernetzung der Dinge besser gestalten lässt. Der Mehrheit der Menschen wird es egal sein, ob der Sessel gerade mit dem Tisch spricht oder nicht. Dass Dinge miteinander kommunizieren können, ist L’art pour l’art, solange sich die Lebensqualität der Menschen dadurch nicht verbessert.


DI Dr. CHRISTIAN KITTL ist Geschäftsführer der EVOLARIS next level GmbH. Das Grazer Unternehmen entwickelt digitale Assistenzsysteme und berät Firmen aus Industrie und Einzelhandel.

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