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Mag. EVA BLIMLINGER ist seit 2011 Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien. Die studierte Historikern war zuvor unter anderem an der Universität für angewandte Kunst und in der Historikerkommision der Republik Österreich tätig.

IM INTERVIEW: EVA BLIMLINGER, AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN

Donnerstag, der 6. April 2017

Woran denken Sie beim Begriff Effizienz?

Dass man ihn anders interpretieren müsste, als das im Allgemeinen geschieht.

Nämlich?

Gemeinhin ist Effizienz quantitativ unterlegt, um ökonomische Daten zu verbessern oder Strukturen nachweisbar zu verschlanken. Meiner Meinung nach sollte man dem einen qualitativen Effizienzbegriff zur Seite stellen. Effizient können ja auch die Etablierung einer konstruktiven Gesprächskultur, Open Door Policy in der Leitungsebene oder niederschwellige Kommunikationswege sein. Alles qualitative Maßnahmen, die den handelnden Personen zugutekommen, Konfliktlösungen vereinfachen und die Organisation als solche effizienter machen. Weil sie von vornhinein andere Gegebenheiten schaffen und nicht im Nachhinein auf normierte Schritte verweisen.

Aber auch Maßnahmen, die sich nicht so leicht in Zahlen gießen lassen.

Natürlich, die Zahl ist ja die Begleiterin der Effizienz. In jedem Unternehmen kann man leicht feststellen, wie vielen Personen man kündigen müsste, um das Ergebnis zu verbessern. Man könnte aber auch – und so haben wir es im Rektorat an der Akademie gehandhabt – versuchen, das Ergebnis zu erhöhen, indem man Arbeit zwischen den bestehenden Personen umschichtet und damit andere Arbeitsbedingungen herstellt. Das ermöglicht ein Ergebnis in gleicher oder ähnlicher Höhe, bedeutet für die Beschäftigten aber eine völlig andere Situation.

Macht halt mehr Arbeit.

Macht viel mehr Arbeit. Ist aber humaner und für das Betriebsklima wesentlich günstiger. Die Angstsituation, ob jemand gehen muss, ist beseitigt. Dadurch steigen Motivation und qualitative Effizienz, weil die Leute sehen, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Eine effiziente Organisationseinheit implementiert Prozesse, die einen hohen Grad an Zufriedenheit hervorbringen. Effizienz ist mehr als eine Zähl- und Messbarkeit.

Was kann es noch sein?

Ich würde Effizienz auch als höhere Verteilungsgerechtigkeit verstehen. Das mögen viele Ökonomen anders sehen, aber aus meiner Sicht wäre es gesellschaftlich betrachtet effizient, wenn es möglichst vielen Leuten gut ginge. Außerdem ist es mir die unproblematische Abdeckung der Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens für möglichst viele, möglichst alle Menschen einfach ein ganz zentrales Anliegen. Nicht permanent um Gesundheit, Leib, Leben, finanzielle Sicherheit etc. Angst haben zu müssen, das wäre die Basis.

Und darüber hinaus, ist Kultur ein Grundbedürfnis?

Selbstverständlich sind Kunst und Kultur Grundbedürfnisse, weil sie die Möglichkeit des gemeinsamen Handelns eröffnen. Kann ich mir Kunst und Kultur nicht leisten, bin ich ausgeschlossen und unzufrieden. Das gilt aber auch für den Sport: Wenn sich der größte Fußballfan den Stadionbesuch nicht leisten kann, wird das seiner Zufriedenheit nicht zuträglich sein.

Braucht Kunst das Geld?

Kunst braucht die Wirtschaft, Kunst braucht aber vor allem den Staat. Da bin ich ganz Etatistin, es gibt meiner Ansicht nach eine staatliche Verpflichtung, Kunst und Kultur im Allgemeinen und die Ausbildung im Kunst- und Kulturbereich im Speziellen zu finanzieren. Gerade in einem Land wie Österreich, das wahnsinnig stark von der Kunst profitiert und alle Kunstbereiche, egal ob darstellende oder bildende als Trademark nützt. Das muss es dem Staat, das muss es der sogenannten Kulturnation Österreich wert sein, ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. Und bei der Wirtschaft muss man einfach sehr genau hinschauen, welche Ziele Unternehmen verfolgen, die sich als Förderer engagieren, da muss man aus ethischen Gründen auch verzichten.

Wie hat sich die Digitalisierung in Kunst bemerkbar gemacht?

Zum einen als Teil der Kunst, wobei ich mit der Ansage, Künstler müssten sich mit der Digitalisierung beschäftigten, nichts anfangen kann. Künstler sollen sich mit Kunst beschäftigten, ob das jetzt digital ist oder nicht. Zum anderen ist zu beobachten, dass es vonseiten der Studierenden ein sehr großes Interesse am Nichtdigitalen gibt. Das Interesse am Handwerklichen hat sich in den letzten Jahren derart gesteigert, dass wir aufstocken könnten noch und nöcher. Da ist eine Generation an die Akademie gekommen, die mit dem Digitalen aufgewachsen ist. Dass sie aber mit Holz oder Metall arbeiten können, ist für sie vollkommen neu. Und sehr beliebt.

Mag. EVA BLIMLINGER ist seit 2011 Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien. Die studierte Historikern war zuvor unter anderem an der Universität für angewandte Kunst und in der Historikerkommision der Republik Österreich tätig.

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