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HARALD LOOS ist Leiter der Corporate Technology, der zentralen Forschungs- und Entwicklungseinheit von Siemens zum Thema Research in Digitalization and Automation (RDA) bei der Siemens AG Österreich. RDA erforscht Technologien mit Breitenwirkung für den Konzern.

Der Artikel ist auch auf hi!tech, dem Blog zum Innovationsmagazin von Siemens Austria erschienen.

IM INTERVIEW: HARALD LOOS, Siemens AG Österreich

Frage an den Techniker: Was hält die Digitalisierung noch für die Industrie bereit?

Mehr Möglichkeiten. Heute ist es mit einem extrem hohen Aufwand verbunden, etwa den aktuellen Status der Produktentwicklung oder der Produktion exakt bestimmen zu können. Noch schwieriger sind Vorhersagen. Durch die Möglichkeiten, die sich aus steigender Speicherkapazität und Rechenleistung ergeben, können Daten ganz anders genutzt und verwertet werden als früher. Und irgendwann kann man problemlos auf ein digitales Abbild der Produktion zugreifen.

Aber noch steht der Aufwand nicht in Relation zum Nutzen?

Genau. Ein Beispiel aus der chemischen Industrie: Vielerorts werden heute sogenannte World-Scale-Anlagen gebaut, die einen Stoff in großer Menge billig herstellen können. Aber wäre es nicht sinnvoller, dort zu produzieren, wo der Stoff tatsächlich benötigt wird? Und reicht dafür nicht auch eine zeitlich begrenzte Anlage? Muss ich die Anlage dann überhaupt noch besitzen, oder kann ich sie ausleihen oder leasen? Plötzlich bin ich in einem völlig anderen Geschäftsmodell. Ich fokussiere mich auf das Produkt und nicht mehr auf die Produktion.

Die Trennung von Produktentwicklung und Produktion, ist das die Zukunft?

Die Industrie plant das Produkt heutzutage nicht nur, sie betreibt und besitzt auch die Produktion. Das Paradebeispiel hierfür ist die Automobilindustrie. Aber gerade hier kann man sich fragen, ist das in Zukunft noch sinnvoll? Local Motors etwa produziert mittels 3D-Druckern zwar noch keine Autos auf dem Niveau der Mercedes E-Klasse, aber der Ansatz, Autos nach individuellen Vorgaben fertigen zu lassen, hat schon etwas für sich. Gleiches gilt für Medizinprodukte. Medikamente sind vereinheitlicht, obwohl ihre Wirkung auf den Menschen verschieden ist. Wäre es nicht vernünftiger, spezifisch wirksame Medikamente für den einzelnen Menschen oder zumindest für eine kleinere Gruppe von Menschen mit ähnlicher genetischer Disposition zu produzieren?

Das stellt das Geschäftsmodell auf den Kopf.

Ja, die Kopplung von Produkt und Produktion wird in manchen Hochprofit-Branchen aufgelöst und die Wertschöpfungsketten anders gestaltet werden. Die Digitalisierung wird es auch für klassische Wirtschaftszweige einfacher und interessanter machen, die Produktion an andere auszulagern. Bei Sportgeräten etwa ist das längst der Fall. Die Firmen, die die Produkte verkaufen, arbeiten sehr stark über Branding und Lifestyle Marketing, die Fertigung erfolgt woanders. Oft sind es kleinere Firmen, die hier erfolgreich neue Wege gehen und beispielgebend wirken können.

Was ist für den Erfolg eines Unternehmens wichtiger, die kleinen Schritte oder der eine große Sprung?

Beides. Aber es ist eine Gratwanderung: Effizienter, besser und schneller werden und gleichzeitig nicht auf disruptive Veränderungen vergessen. Viele große Entwicklungen sind passiert, als starker wirtschaftlicher Druck herrschte. Man muss darauf achten, auch weiter gut zu verkaufen, was man ohnehin schon gut verkaufen kann, und die Dinge so lange weiter zu entwickeln, solange man sie verkaufen kann.

Warum sind diese beiden Aspekte denn so schwer unter einen Hut zu bringen?

Weil die Prozesse völlig unterschiedlich sind. Je nachdem, ob es um laufende Verbesserungen oder das weiße Blatt Papier, auf dem the next big thing entstehen soll, geht. Die großen Konzerne scheinen alle recht ähnlich auf dieses Dilemma zu reagieren: Sie ziehen parallel zu vorhandenen Strukturen Inkubatoren für Start-ups auf, um Prototypen schneller am Markt einzuführen. Es ist das auch ein Befreien vom Standardblick, der Kurzfristigkeit und dem Effizienzstreben des existierenden Geschäfts. Reden Sie doch einmal mit Start-ups, da hat doch am Anfang kaum jemand einen ausgefeilten Businessplan. Der ist aber wieder das Um und Auf des laufenden Geschäfts. Daher muss man diese Dinge getrennt voneinander, aber parallel zueinander betreiben.

Zum Abschluss, was ist Effizienz?

Eine Notwendigkeit. Der bestorganisierte Prozess nützt jedoch nichts, wenn er keine Wirkung zeigt. Das betrifft interne Prozessabläufe ebenso wie technische Entwicklungen: Ohne die entsprechende Nachfrage war alles zuvor unnötig.

HARALD LOOS ist Leiter der Corporate Technology, der zentralen Forschungs- und Entwicklungseinheit von Siemens zum Thema Research in Digitalization and Automation (RDA) bei der Siemens AG Österreich. RDA erforscht Technologien mit Breitenwirkung für den Konzern.

Der Artikel ist auch auf hi!tech, dem Blog zum Innovationsmagazin von Siemens Austria erschienen.

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