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DI ROLAND SOMMER, MBA ist Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0 Österreich, einer gemeinsamen Gründung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, der Bundesarbeitskammer, der Fachverbände der Elektro- und Elektronikindustrie und der Metalltechnische Industrie, der IV und der Produktionsgewerkschaft.

IM INTERVIEW: ROLAND SOMMER, PLATTFORM INDUSTRIE 4.0 ÖSTERREICH

Dienstag, der 2. Mai 2017

Industrie 4.0, nur ein anderes Wort für die ohnehin stattfindende Digitalisierung?

Industrie 4.0 ist vieles, unter anderem ein geglückter Marketingbegriff. Plötzlich hat sich die Politik wieder der Industrie angenommen, und das in OECD-Hochlohnländern wie Deutschland und Österreich. Die Industrie wird wieder als notwendiger Teil eines erfolgreichen Staates gesehen. Aber natürlich gibt es eine Reihe von Technologien, die man unter Industrie 4.0 einordnen kann, besser treffen es daher Begriffe wie Internet of Things, Digital Production, Machine to Machine Communication etc.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der digitalen Transformation in Österreich?

Die Unterschiede sowohl zwischen als auch innerhalb verschiedener Branchen sind mitunter so groß, dass sich allgemeingültige Aussagen kaum treffen lassen. Es gibt in Österreich Unternehmen, die auf ihrem Gebiet Technologieführer sind und es gibt Firmen mit großem Aufholbedarf bei der Einführung neuer Geschäftsmodelle. Für die Maschinenbauindustrie bedeutet Industrie 4.0 etwa eine fundamentale Änderung des Geschäftsmodells. Weg von Produktion, Verkauf und ward nie mehr gesehen, hin zu Leasingmodellen. Die Automobilindustrie hingegen muss unterschiedliche Modelle auf einer Fertigungslinie zu immer besser und schneller produzieren können.

Wie können die von Ihnen angesprochenen neuen Geschäftsmodelle noch aussehen?

Wir sehen hier drei große Trends: Von der Hardware zur Software, wie das Handy aussieht, verliert an Bedeutung, entscheidend sind die individualisierten Apps. Zweitens vom Produkt zur Dienstleistung, Stichwort Carsharing oder Rolls-Royce, die nicht mehr die Turbine, sondern den Schub verkaufen. Und drittens vom Produkt zur Plattform. Alle großen IT-Firmen arbeiten bereits an IoT-Plattformen, daneben gibt es eine Reihe von sektorspezifischen Plattformen in der Landwirtschaft oder im Tourismus.

Ändert das auch die Beziehung zum Kunden?

Natürlich, die value proposition ist der disruptive Teil der Digitalisierung. Die Technologieentwicklung verläuft extrem schnell, aber kontinuierlich. In einigen Branchen konnten neue Player innerhalb kürzester Zeit über stark digitalisierte Prozesse substanzielle Marktanteile erobern. Ob das jetzt der große amerikanische Onlinehändler oder die niederländische Versicherung war, die innerhalb von zwei Jahren fünf Prozent des Markanteils gewinnen konnte, und das mit einem reinen Onlineauftritt.

Digitalisiert wird, was digitalisiert werden kann?

Viele Studien zum Digitalisierbarkeitsgrad von Berufen schüren die Angst vor dem Jobverlust, weil es heißt, der Computer wird die Arbeit übernehmen. Das stimmt so aber nicht. Das Tätigkeitsprofil wird sich in sehr vielen Bereichen und Berufen stark verändern, das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine vollständige Digitalisierung notwendig oder sinnvoll ist. Ingesamt werden mehr neue Jobs entstehen, allerdings in anderen Bereichen. Manche meinen, dass schon durch die zunehmende Automatisierung ein Heben des größten Effizienzpotenzials in der Produktion schon stattgefunden hat, weshalb die nächste Welle der Digitalisierung eher die Buchhaltung oder das Controlling betreffen wird.

Ist digitalisiert immer gleich effizienter?

Zwei der Gründe schlechthin für die Digitalisierung sind Qualitätssteigerung und Nachverfolgbarkeit. Wenn ich auf digitalem Weg feststellen könnte, welcher Airbag genau defekt ist, muss ich nicht 600.000 Autos zurückrufen. Branchen wie die Medizintechnikindustrie sind hier – auch aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen – schon wesentlich weiter. In Zukunft wird bei jedem einzelnen Produktionsschritt die Qualitätssicherung automatisch mitlaufen. Das spart Kosten, minimiert den Ausschuss, senkt die Energiekosten und kommt der Umwelt zugute.

Verändert die Digitalisierung auch die Anforderungen, die an Führungskräfte gestellt werden?

Ja, weil durch die Digitalisierung Hierarchien flacher werden, Unternehmen durch steigende Verzweigungen und Beteiligungen oft nicht mehr als Einheiten greifbar sind. Wo sind die Grenzen des Unternehmens, wenn Mitarbeiter mitunter jahrelang bei Kunden sitzen? Und was bedeutet das für eine glaubwürdige Corporate Identity? Zudem tauchen plötzlich Konkurrenten auf, an die man gar nicht gedacht hat. Amazon bietet Content an, Firmen gehen in andere Branchen hinein. Es wird disruptiver. Ein Strategieplan und alles ist gut, das war einmal. Der Wandel ist das neue Normale.

DI ROLAND SOMMER, MBA ist Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0 Österreich, einer gemeinsamen Gründung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, der Bundesarbeitskammer, der Fachverbände der Elektro- und Elektronikindustrie und der Metalltechnische Industrie, der IV und der Produktionsgewerkschaft.

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