Interview – 11. Nov 2020
MAN HAT ZWAR KEINE ZEIT ABER
MAN NIMMT SIE SICH.
Gerald Reitbauer, Manager
Herr Reitbauer, darf ich fragen, was Sie studiert haben? Und würden Sie heute etwas anderes studieren?

Ich habe Volkswirtschaft an der Uni Graz studiert und würde nichts anderes studieren, auch wenn ich nochmal zurück könnte. Es war mit Sicherheit die richtige Wahl.

Weil man als Volkswirt die großen Zusammenhänge - besser - versteht?

Naja, ich sehe es jetzt, ich habe nebenbei, also berufsbegleitend, einen MBA in Finance an der WU gemacht. Das ist sehr wertvoll und wichtig für mich. Aber gefühlsmäßig ist es für mich schon so: Volkswirtschaft ist die Wissenschaft und Betriebswirtschaft die Methodenlehre. (lacht)

Ihr Programm ist jedenfalls ziemlich intensiv. Als Berater hat man ja an sich schon durchgetaktete Tage und dann noch ein Studium nebenbei – wie geht sich das aus für Sie?

Da muss man schon auch ein bissl verrückt sein, ja. Es geht sich auch nur deshalb aus, weil sich in der Syngroup viel ausreden lässt. Ich hab’ damals das Studium begonnen und musste mich natürlich vorher entscheiden: Mach ich’s? Wie kann ich es hinkriegen? Also hab’ ich zu Wolfgang Hildebrand gesagt, ich möchte es gern machen. Ich weiß, Fulltime kann’s nicht gehen, können wir irgendeine Lösung treffen? Und dann, glaube ich, war ich bis jetzt der einzige 75%-Berater mit All-in-Vertrag, sozusagen. Wir haben da jedenfalls eine echt flexible Lösung gefunden.

Das heißt, Syngroup hat Sie und Ihr Studium unterstützt, weil sie natürlich aller Voraussicht nach davon ebenfalls profitiert.

Ja, so tickt die Syngroup einfach: Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn die Chefs erkennen,  dass man alles für die Firma gibt, dann ist man auch bereit, dafür etwas zurückzugeben. Und das funktioniert. Es gibt kein vorgeschriebenes Regelwerk. Es funktioniert individuell und bleibt dadurch einfach menschlich.

Wann und wie ist der Wunsch entstanden, Consultant zu werden? Was reizt Sie an der Branche?

Den Wunsch hat es, um ehrlich zu sein, nie gegeben. Ich komme aus einem Dorf im steirischen Hinterland, Berater haben da einen eher schlechten Ruf. Noch dazu als Volkswirtschaftstudent, da sieht man zuerst immer das größere Bild. Berater war nie ein Ziel von mir.

Gerald Reitbauer: "Volkswirtschaft ist die Wissenschaft, Betriebswirtschaft die Methodenlehre."
Wie ist es dann doch dazu gekommen?

Wie so oft durch Zufall. Ich war beim High Potential Day 2014 in Wien und hatte diverse Termine mit großen Unternehmen und staatsnahen Organisationen, von denen ich meinte, dass ich als Volkswirt irgendwie zu ihnen gepasst hätte. Die Leute aus den Personalabteilungen dort habe ich ganz konkret gefragt: Was kann ich für euch tun? Was muss ich mitbringen? Und wo kann ich mich bewerben? Als Antwort ist jedes Mal gekommen: Im Internet steht das alles, da muss man beim Abteilungsleiter nachfragen – hallo? Ich wollte gern etwas Neues erfahren. Sehr ärgerlich. Syngroup war damals die einzige Unternehmensberatung dort, das ist mir aufgefallen und ich bin dann kurz vor Ende noch hin – und man hat sich eine dreiviertel Stunde Zeit für mich genommen. Das Gespräch mit Anna Schleiffer – ich bin mit ihr auch heute noch gemeinsam auf Projekt – war super. Sie war damals Senior Manager, zehn Jahre im Geschäft und hat einfach erzählt, was bei der Syngroup so passiert. Wir haben über meine Ausbildung geredet, was ich gern mache, dass mir Sprachen taugen. Ganz relaxed. Und zwei, drei Tage darauf hat mich schon Wolfgang Hillerbrand angerufen und zu einem Gespräch engeladen. Ich bin nach Wien gefahren, und Wolfgang hat sich drei Stunden Zeit für mich genommen. Das war sehr amikal – und schlussendlich bin ich hier gelandet.

Diese empathische Methode der Syngroup, sich Zeit nehmen, sich auf die Leute einzulassen und zuzuhören, bewährt sich offensichtlich. Ich habe jetzt schon einige Male Ähnliches von ihren Kolleginnen und Kollegen gehört. Das ist in der Branche – und wohl auch generell – eher unüblich.

Ich weiß nicht, ob es üblich ist oder nicht. Die Syngroup ist ja meine erste große Station nach der Uni, entsprechend kann ich nicht sagen, wie es in anderen Unternehmen läuft. Aber es ist definitiv sehr freundschaftlich hier, man ist vom ersten Tag an in allen Hierarchieebenen per Du, man geht Freitags auf ein Bier, wenn man Lust hat. Es wird gern gesehen und gefördert, wenn man sich auch privat ein bisschen austauscht.

Können Sie mir bitte sagen, was genau Sie für die Syngroup machen?

Ich bin Projektleiter, mittlerweile. Das heißt, ich bin Hauptansprechpartner für den Kunden, der wenn es geht auch vor Ort ist. Gemeinsam mit meinem Team arbeiten wir das Projekt ab und definieren die Projektfortschritte. Ich bin sowohl inhaltlich, aber auch als Führungskraft für das Team verantwortlich.

Wie viele Personen sind da in einem Team?

Das sind meistens kleine Projekte, da sind wir zu zweit oder zu dritt. Momentan arbeiten wir aber gerade in einem großen deutschen Verpackungs-Unternehmen, das Teil einer internationalen Holding ist. Dort schauen wir uns gemeinsam mit einem sehr breiten, lokalen Team die Schaltzentrale an, das gesamte Planungsdezernat. Wir gehen das ganze Personal, die ganze Kapazitätsplanung für die nächsten drei, vier Monate im vorhinein durch. Wir müssen sehr früh unsere Kapazitäten definieren, dass es dann in der kurzen Frist nicht knallt.

Wie sieht es mit Ihrer Work-Life-Balance, oder wie es angeblich so schön bei Microsoft heißt, Ihrem Work-Life-Flow aus? Auch während des MBA-Studiums die ganze Woche auf Achse, wie sieht Ihre Gegenwelt aus?

Es war schon schwierig. Aber die Gegenwelt war zuallererst meine Verlobte, wir haben heuer geheiratet. Verlobt sein, wenn man nebenbei Uni macht und arbeitet ­– aber sie hat es mit Humor genommen. Sie steht wirklich hinter mir.

Und sie nimmt es in Kauf, wie es aussieht?

Das tut sie, sonst hätte sie nicht ja gesagt (lacht). Klar, man braucht auch Freunde, regelmäßig. Da bleiben nur die Wochenenden, und die sind bei mir immer auf Monate ausgebucht.

Also die Freizeit ist genauso durchgetaktet wie das Berufsleben?

Andere Menschen in weniger fordernden Berufen werden das Wochenende wohl nicht so ausplanen – und vielleicht auch weniger intensiv erleben. Ich muss mir meine Tage viel mehr durchtakten Und bei mir ist es dann einfach intensiver und ich glaube, ich nutze die Zeit auch einfach effizienter. Wahrscheinlich erhalte ich im Endeffekt den gleichen Benefit aus meinem Sozialleben. Ich sitze eben nicht so viel vom Fernseher, dafür bleibt wenig Zeit.

Kein großer Verlust. Man könnte jedenfalls sagen, dass es Ihnen gelingt, Effizienz, also das Hauptziel in der Berufswelt, auch im Privaten zu verwirklichen. Würden Sie sagen, das hat auch mit Ihrer Persönlichkeitsstruktur zu tun?

Ich glaube, was einem wichtig ist schafft man auch irgendwie unterzukriegen. Man hat zwar nicht die Zeit, aber man nimmt sich die Zeit, und das gilt natürlich auch im Berufsleben.

Gibt es manchmal Momente, wo Sie sich denken, ich würde gern in der Welt etwas verändern? Wie stehen da heutzutage die Chancen Ihrer Meinung nach?

Ich bin relativ realistisch. Ich glaube nicht, dass ich jetzt an der großen weiten Welt viel verändern werde.  Was ich machen kann: Ich kann mit positivem Beispiel vorangehen. Meine Lebensdevise lautet: Ich möchte nur das machen, womit ich mich identifizieren kann. Ich muss mich am Abend noch in den Spiegel schauen können. Gerade für einen Berater ist es wichtig, zu reflektieren. Man trifft doch immer wieder auch für andere Menschen wichtige, manchmal lebenswichtige Entscheidungen. Da geht es auch um Köpfe, ab und zu, und da sollte man sich sehr wohl vorher Gedanken machen: Ist das wirklich das Richtige? Und dann den nächsten Detaillevel noch genauer anschauen, um sicher zu gehen, dass ja alles passt.

Klimakatastrophe, Globalisierung, Überalterung, all diese Megatrends, und vielleicht die wichtigste Frage - nicht nur angesichts der Corona-Krise: Muss wirklich alles immer weiter wachsen? Wie ist Ihr Zustand zu den drängenden Themen unserer Zeit?

Die Umweltdiskussion ist sehr wichtig, Veränderungen sind unausweichlich und werden kommen. Für mich als Volkswirt ist allerdings die Verteilungsfrage zwischen Arm und Reich ein viel drastischeres Problem. Wenn wir das nicht den in Griff bekommen, wird es noch viel kurzfristiger als durch die Umweltproblematik zur nächsten großen Krise führen. Vor jedem Krieg ist es ein immer ein Verteilungsproblem gewesen, das schlussendlich die Kluft zwischen Arm und Reich zu weit aufgemacht hat.

Kann ein Industrieunternehmen hier etwas bewirken?

Ich war schon bei sehr vielen verschiedenen Kunden und habe die großen Unterschiede in den Firmenkulturen gesehen. Die Frage dabei ist: Wie kann ich meine Mitarbeiter bestmöglich zu umsichtigen, effizienten Leistungen führen, die letztlich allen nützen? Mir scheint, das das am besten jenen Unternehmen gelingt, die sich auch persönlich um ihre Leute kümmern, die auch eine gewisse soziale Kompetenz wahrnehmen. Das bringt letztlich den qualitativ besten Output.

Also das empathische Eingehen auf die Persönlichkeit jedes Einzelnen ist sozusagen auch eine Methode, die Welt ein klein wenig „zu einem besseren Ort“ zu machen?

Das könnte ich unterschreiben.

Ich habe jetzt zum Schluss für Sie noch den Syngroup-Word-Rap und die Bitte, möglichst kurz, idealerweise nur mit einem Wort zu antworten.
Ich hätte jetzt noch so etwas wie einen Syngroup Word-Rap. Also kurze Fragen mit der Bitte an Sie, diese möglichst schnell und möglichst kurz zu beantworten.
Ich wünsche mir von Syngroup Group:

Flexibilität und Perspektive.

Beraterleben bedeutet:

Dass man Probleme lösen muss, deren Lösung sich Unternehmen selbst nicht zutrauen.

Einen guten Berater zeichnet vor allem eines aus:

Wissbegierde.

Einen guten Kunden zeichnet vor allem eines aus:

Umsetzungswille.

Meine größte Stärke ist:

Ich denke, ich kann ganz gut mit Menschen.

Meine Kollegen schätzen an mir vor allem:

Einerseits meine authentische Art, aber auch Integrität.

Was ist das Spannendste an internationalen Projekten:

Gutes Essen.

Und die letzte Frage: Der Syngroup Claim „The Efficiency-Consultants“ ist für mich:

Schon irgendwie richtig. Aber ich vermisse  – also Efficiency heißt ja, die Dinge richtig tun. Aber ich vermisse „Effectiveness“, eben auch die Effektivität, also das Richtige tun. Ich denke, das können wir mindestens genauso gut.

Vielen Dank!