Interview – 18. Aug 2019
WIR MÜSSEN JEDEN EINZELNEN DAVON ÜBERZEUGEN, VERBESSERUNGEN WIRKLICH UMZUSETZEN.
Herr Soos, darf ich Sie zunächst fragen, wie man Ihren ungarischen Namen richtig ausspricht?

Schosch, mit Schule am Anfang und am Ende.

Danke, dann können wir beginnen: Was haben Sie studiert und würden sie heute etwas anderes machen wollen?

Ich habe drei Studien abgeschlossen. Mein Grundstudium ist Maschinenbau. Dann habe ich Automatisierung studiert, mit Spezialisierung auf Polymertechnologie. Ein paar Jahre später habe ich mein BWL-Studium abgeschlossen und noch ein Diplom für Entrepreneurship gemacht.

Und haben Sie jedes Mal die richtige Wahl getroffen?

Ja, eigentlich schon. Ich bin zufrieden mit dem, was ich studiert habe. Ich bedauere nur, dass ich nicht alle meine Studien, so wie das letzte, in Cambridge absolvieren konnte. Die Erfahrungen dort waren überwältigend. Damals 2000, vor dem EU-Beitritt, war es in Ungarn nicht selbstverständlich, im Ausland zu studieren. Meine Schwester hat zwar hier in Wien studiert und ich hatte die Möglichkeit nach Wien zu kommen, aber die Welt war damals für uns noch nicht richtig offen. Aber alle Erfahrungen von damals haben mir sehr geholfen, mich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.

BWL haben sie in Österreich gemacht?

Ich habe an der WU hier in Wien ein Semester gemacht, aber primär in Budapest an der Corvinus-Universität studiert.

Wo haben Sie vor der Syngroup gearbeitet?

Ich habe in drei Ländern gearbeitet. Begonnen habe ich meine Berufstätigkeit in Dänemark, wo ich teilweise auch mit Robotern zu tun hatte. Später war ich bei einer Firma für Anlagenbau. Dann bin ich nach Deutschland zu einer Siemens-Tochter gegangen und schließlich nach Österreich, bis ich vor knapp zwei Jahren einen Kollegen von der Syngroup kennengelernt habe – und zwar über den Oxford–Cambridge Alumni Club . Er hat über die Syngroup erzählt und so bin ich zu den ersten Interviews gekommen.

Gergely Soos, Manager
Und waren sie sofort überzeugt, dass Syngroup das richtige Unternehmen für Sie ist?

Bei mir war das ein bisschen anders. Ich hatte große Interesse in eine andere Branche zu wechseln, weil mir Schwerindustrie und Anlagenbau, wo ich zuvor tätig war, immer weniger zukunftsträchtig erschienen sind. Ich wollte unbedingt etwas Neues, wenn man so will, Zeitgemäßes machen, das auch Zukunft hat und mehr Flexibilität bietet. Aber die Entscheidung war nicht leicht. Ich war ja schon in einer hohen Position in meiner früheren Firma. Der Entscheidungsprozess lief fast ein Jahr lang. Dann habe ich meine Entscheidung getroffen und dann ging eigentlich alles leicht. Aber es war nicht straight forward.

Aber es war gut überlegt?

Das kann man sagen, ja.

Würden Sie sagen, dass Sie der geborene Consulter sind? Was hat sie am Beratungsgeschäft gereizt?

Ich weiß nicht, ich glaube, den geborenen Consulter gibt es nicht. Vielleicht haben manche eine größere Affinität dazu als andere. Aber grundsätzlich muss man Vieles lernen. Ich hatte gegenüber Leuten, die direkt von der Uni kommen, den großen Vorteil, viel Erfahrung mit großen Unternehmen mitzubringen. Und da hat mich zum Beispiel immer wahnsinnig gestört, wie leichtfertig auch und besonders große Firmen Fehler machen und was alles nicht richtig funktioniert. Mit der Zeit wurde mir klar, dass es viel interessanter für mich ist, die Prozesse an sich zu verstehen und zu optimieren, als immer nur auf die Produkte zu schauen, die dabei herauskommen. Ich habe gemerkt, dass ich mich im Consulting viel besser fühle als in der Industrie.

Haben sich Ihre Erwartungen in die Syngroup bis jetzt bestätigt?

Ich habe das bekommen, was ich erwartet habe. (lacht) Ich hatte schon bei der Einstellung sehr, sehr gute Interviews mit vier der acht Partner der Syngroup. Vor allem mit Wolfgang Hillerbrand, das war sehr überzeugend. Die Kenntnisse in der Firma, wie gründlich sie alles angehen, das hat mich beeindruckt. Mich hat später auch nichts überrascht, was in der Firma abläuft, weil ich das alles zuvor eben schon sehr gründlich durchgesprochen hatte.

Und was erwarten Sie jetzt? Wie soll es weitergehen mit der Syngroup?

Ich bin jetzt noch ganz am Anfang, aber ich plane, mich weiterzuentwickeln und natürlich besser und besser zu werden.

Das heißt die unmittelbare Zukunft ist jetzt mal auf die Syngroup ausgerichtet.

Ja, so ist es.

Wie schaut ein Arbeitstag oder eine Arbeitswoche von Ihnen aus? Kann man so etwas überhaupt sagen?

Nein, nicht wirklich. Man kann die Arbeit im Prinzip in zwei Kategorien aufteilen: Die eine ist das Reisen, da ist man dann klassischerweise Montag bis Donnerstag unterwegs und dann Freitag im Büro. Beim Kunden ist das unterschiedlich, manchmal sind wir nur in der Fertigung, manchmal nur im Büro oder wir machen Interviews. Dabei arbeiten wir mit allen Personen zusammen, vom Fließband-Mitarbeiter bis zum Geschäftsführer. In diesem breiten Spektrum geht es darum, jeden einzelnen auf seine Weise davon zu überzeugen, unsere Verbesserungsvorschläge in seiner Arbeit auch wirklich umzusetzen.

Der andere Teil meines Jobs, wenn ich in Wien bin, sind dann jede Menge Datenanalysen, die Bearbeitung von Supply Chain Themen usw. Das mache ich immer mit Wolfgang Hillerbrand.

Wie sieht es mit ihrer Work-Life-Balance aus? Wie teilen Sie sich ihr Leben ein?

Ich hatte ehrlich gesagt, was die Arbeitsbelastung betrifft, Schlimmeres erwartet, was dann aber glücklicherweise nicht eingetroffen ist. Es ist manchmal viel, aber es ist auszuhalten. Natürlich ist es nicht immer leicht mit Familie und Freunden, wenn man ständig unterwegs ist. Aber in einer Führungsposition, egal in welchem Industriebetrieb oder sonstigen Firma ist das nicht anders zu erwarten. Ich war auch für die Firmen, wo ich zuvor gearbeitet habe, sehr viel unterwegs. Dort musste man oft sehr spontan verreisen, von heute auf morgen. Hier ist es viel besser planbar und daher bei weitem nicht so kritisch. Und wenn man am Donnerstagabend nach Hause kommt, ist das sehr schön (lacht).

Und darf ich fragen, was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Also, ich habe Kinder, meine Freizeit ist somit bereits verplant. (lacht) Also sehr viel Familie, Freunde, Sport. Solche Sachen.

Ich möchte nochmal ganz kurz an den Anfang des Interviews zurückkommen, da haben Sie betont, dass Sie es bedauern, dass Sie nicht alle ihrer Studien in Cambridge machen konnten. Cambridge ist natürlich ein großer Name – was machen sie dort besser als hier?

Zum Beispiel, dass nicht von einem erwartet wird, ein Buch zu lesen und dieses dann bei der Prüfung eins zu eins wiederzugeben. Erwartet wird, Theorien zu vergleichen und Ideen weiterzuentwickeln. Dort ist die Aufgabe nicht das Wiederholen des aktuellen Kenntnisstands, in welchem Bereich auch immer, sondern das vor- und weiterdenken. Man soll Visionen entwickeln, erarbeiten, was ein bestimmtes Thema für die Zukunft bedeuten kann. In so einem Umfeld ergeben sich einzigartige Möglichkeiten. Ich erinnere mich auch an einen Satz meines Lieblingsprofessors, der meinte, nicht jeder muss CEO werden, aber jeder soll sich mit dem befassen, was ihn interessiert und er soll lernen, die richtige Leute um sich zu scharen. Ich glaube, das ist etwas, was man nicht oft hört, schon gar nicht an einer Elite-Uni.

Hat das Ihrer Meinung nach auch mit einem Mentalitätsunterschied zwischen, sagen wir, deutschsprachigen oder mitteleuropäischen Ländern und dem angloamerikanischen Kulturkreis zu tun?

Ja, natürlich: die englische oder amerikanische Kultur geht mit Fehlern ganz anders um, fast könnte man sagen, sie mögen sie, weil man daraus etwas lernen kann, Verbesserungspotenzial daraus ziehen kann. Man hat dann auch keine Angst, Fehler zu machen. Das ist sehr befreiend und motivierend – und steht in krassem Gegensatz zu Deutschland oder Österreich beispielsweise, wo immer ein Klima der Angst herrscht und viele Leute dementsprechend verunsichert sind.

Sie sprechen einige Sprachen, darf ich fragen welche?

Ich spreche Deutsch, Englisch, Ungarisch und ich habe auch ein wenig Dänisch gelernt. Das ist eindeutig die schwierigste Sprache. Vor allem, was die Aussprache betrifft, von der Grammatik her ist sie dem Deutschen oder auch dem Englischen nicht unähnlich. Aber die Aussprache ist fürchterlich. Selbst im Land verstehen die Leute einander manchmal nicht (lacht)

Sind Sie zufrieden, in Wien zu leben?

Ja, wir haben damals gar nicht geplant, nach Österreich umzuziehen. Ich wurde abgeworben von meinem früheren Chef. Wir fanden Wien am Anfang ein bisschen – anders.

Das ist auch der langjährige „Claim“ der Bundeshauptstadt. (lacht)

Na ja, wir sind aus Deutschland gekommen und dachten, hier würde es genau so sein. Ist es aber nicht. Es ist anders. Zwei unterschiedliche Kulturen, zwei unterschiedliche Welten, muss man sagen. Wir waren am Anfang sogar ein bisschen schockiert. Wir haben zuvor an der französischen Grenze nahe Luxemburg, nahe Straßburg gelebt, dort waren die Ausländer eben die Franzosen, die Welt ist dort eben eine andere. Wien als Stadt ist genial, da kann man sich nicht beschweren. Aber wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, bis wir verstanden haben, wie alles funktioniert.

Hier sind auch die Deutschen die Ausländer. (lacht)

Und die Ungarn. (lacht)

Jetzt möchte ich Sie zum Schluss noch auf eine andere Ebene bringen: Gibt es Bereiche, in denen sie die Welt verändern möchten? Und wenn ja, wie sehen Sie die Chancen dabei?

Die Welt verändern, nun ja, das Einzige, was mich grundsätzlich wirklich antreibt, ist der Gedanke, die Zeit zu nützen, Carpe diem, sozusagen. Ich halte es nicht aus, wenn Leute mit sinnlosen Dingen Zeit verbringen, die nichts und niemanden weiterbringen.

Also Zeit verschwenden.

Ja. Denn ich denke, neue Entwicklungen, neue Lösungen entstehen auch und vor allem dadurch, dass wir uns mit kleinen Schritte verbessern, ganz egal, worin die bestehen. Ich glaube, es geht um das grundsätzliche Bemühen, alle Dinge, alle Abläufe besser zu machen. Das ist jedenfalls das, was mich wirklich interessiert und was ich auch in meiner Beratungsarbeit mit ganzem Herzen unterstütze. Und ich hoffe, so kann ich auch die Welt ein bisschen besser machen.

Reparieren statt neu machen.

Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen, dass uns nur disruptive Innovation weiterbringt. Ich halte die inkrementelle Innovation – also wenn man bestehende Systeme verbessert und weiterentwickelt – für sehr, sehr wichtig in der Zukunft.

Ich hätte jetzt noch so etwas wie einen Syngroup Word-Rap. Also kurze Fragen mit der Bitte an Sie, diese möglichst schnell und möglichst kurz zu beantworten.
Ich wünsche mir von Syngroup Group:

Können wir diese Frage bitte überspringen, ich kann damit nichts anfangen.

Kein Problem, gehen wir zur nächsten. Beraterleben bedeutet:

Herausforderung, Flexibilität und Vielfalt.

Einen guten Berater zeichnet vor allem eines aus:

Eine sehr gute Analysefähigkeit und eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit.

Einen guten Kunden zeichnet vor allem eines aus:

Also ich bin hier vorsichtig (lacht) Können wir die bitte auch überspringen?

Aber sicher. Meine größte Stärke ist:

Ich bin sehr wissbegierig und ich hoffe, auch sehr stark in der Problemlösung.

Meine Kollegen schätzen an mir vor allem:

Ich hoffe, die beide Punkte aus der letzten Antwort gelten auch hier. (lacht)

Was ist das Spannendste an internationalen Projekten:

Eine Firma in unterschiedlichen Ländern, an unterschiedlichen Standorten zu betreuen und dort erleben, wie die Kultur funktioniert.

Und die letzte Frage: Der Syngroup Claim „The Efficiency-Consultants“ ist für mich:

Dass wir hier mehr Zeit als zu Hause verbringen. (lacht)

Vielen Dank!
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